Juli 2020

Impuls

Maskenball

Aus den Augenwinkeln sehe ich eine Maske über den Marktplatz fliegen. Irgendjemand muss sie verloren haben, nun tanzt sie im Wind hin und her. So sorglos, wie wir es gerade nicht tun können. Die Sehnsucht ist da, endlich wieder unbeschwert durch das Leben tanzen zu können.

Aber mit so einer Maske vor dem Gesicht fällt uns das Tanzen schwer, außerdem müssen wir Abstand halten, sollten unseren Mitmenschen nicht zu nahe kommen.

Kann nicht gerade hier unser Tanz im Alltag beginnen? Wenn wir schon den Menschen auf der Straße und zwischen den Supermarktregalen aus dem Weg gehen müssen, dann können wir doch einfach um sie herum tanzen.

Ich stelle mir diesen Maskenball bildlich vor: Wir weichen nicht mehr angstvoll aus, sondern schweben förmlich leicht umeinander her, oder halten achtsam Abstand, ohne uns sorglos auf die Füße zu treten. Hier mein Tanzraum, dort dein Tanzraum, lautet die Anweisung des Tanzlehrers bei Dirty Dancing.

Mir fallen da die Worte aus dem Psalm 139 ein: Nähme ich Flügel der Morgenröte und bliebe am äußersten Meer, so würde auch dort deine Hand mich führen und deine Rechte mich halten.

Maskenball in Coronazeiten. Von Gott geführt. Wäre doch himmlisch.


 

Lutz Thiele, Plön