Martin Luther

November

Martin Luther war für mich viele Jahre vor allem ein Theologe des Wortes:

95 Thesen, Bibelübersetzung, zahlreiche Schriften.

Und auch die evangelische Kirche wird oft als „Kirche des Wortes“ bezeichnet.

 

Doch in diesem Jahr des Reformationsjubiläums entdeckte ich eine ganz neue Seite an diesem Theologen des Wortes, Martin Luther.

Beim Abendmahl sind ihm Brot und Wein als leibliche Gabe Gottes an uns Menschen ganz wichtig:

„Der Mund isst den Leib Christi leiblich, denn er kann die Worte nicht fassen noch essen und weiß nicht, was er isst, schmeckt ihm gleich, als esse er etwas anders denn Christus‘ Leib. Aber das Herz fasset die Worte im Glauben und isst eben dasselbige geistlich, das der Mund leiblich isst, denn das Herz sieht wohl, was der unverständig Mund leiblich isst.“ (Martin Luther, Daß diese Worte Christi ‚Dies ist mein Leib‘ noch fest stehen, wider die Schwarmgeister. WA 23, S. 191)

Glaube hat bei Luther also nicht nur eine Wort- und Kopfseite, sondern auch eine Leibseite – eben im Abendmahl.

 

Dagegen lässt sich zwar einwenden:

Wie soll ich mit einer Hostie oder einem kleinen Stückchen Brot und einem Schlückchen Wein oder Traubensaft wirklich eine leibliche Erfahrung machen?

Vielleicht wäre es leichter, das Abendmahl als leibliche Erfahrung zu erleben, wenn es eine richtige Mahlzeit wäre: ein Festessen mit Braten, Spätzle und Soß und einem guten Wein oder auch die Lieblingspizza mit Cola.

 

Und doch bleibt es eine leibliche Erfahrung, wenn ich beim Abendmahl auch nur ein Stückchen Brot esse und einen Schluck Traubensaft trinke.

Ich finde, es lohnt sich, beim Abendmahl bewusst auf das leibliche Erleben zu achten und es wahrzunehmen.

 

Ruth Krönig