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in Liturgie und Spiritualität e.V.

Die Ankunft verspätet sich …

Bild: de.freepic.com

Adventlich-weihnachtlich Gedanken, die mich grad bewegen

Manfred Maria Büsing - Hannover

 

Ich stehe oft am Bahnhof. Und fast immer höre ich dort die Durchsage: „Die Ankunft des Zuges verspätet sich um soundsoviel Minuten“. Wenn ich Glück habe, ist es „nur“ ein Gleiswechsel oder eine Änderung der Wagenreihung. Mehr als ärgerlich wird es, wenn der Zug gar nicht ankommt. Weil eine technische Störung vorliegt. Personenschaden ist oder das Zugpersonal erst gar nicht erschienen ist. Die Stimme sagt dann am Ende: „ Wir bitten dieses zu entschuldigen“. Ich höre mich innerlich „Nein“ sagen. Und gehe dann mit vielen anderen Enttäuschten und Verärgerten zum SEV. Zum Schienenersatz-verkehr, der aber auch nicht wirklich funktioniert. Und so steige ich um und verlasse die mir zumindest von früher so vertraute und verlässliche Bahn.

Ab Anfang Dezember haben wir, alle Jahre wieder, die Adventszeit. Vertraut und Verlässlich. Advent meint Ankunft. Ankunft des Herrn. Und dann singen wir: Macht hoch die Tür die Tor macht weit, es kommt der Herr der Herrlichkeit. Und wir zünden Kerzen an – gegen die Dunkelheit. Bräuchten wir eigentlich nicht. Denn es brennt gerade lichterloh an allen Ecken und Kanten in die-ser Welt. Und wir beten und hoffen auf eine verlässliche Ankunft des Herrn.

Laut Fahrplan wird das in der Nacht vom 24. auf den 25. Dezember sein. Die Kirchen werden voll sein. Erwartungsvolle, festliche gestimmte Menschen. Mit Sehnsucht nach Gott, nach Frieden, nach gnadenbringender Weihnachtszeit.

Vorne steht jemand vom Kirchenpersonal. Flüstert mit leiser Stimme und gesenktem Blick: „Die Ankunft des Herrn verspätet sich um soundsoviel Minuten“ Die ersten gehen schon. Etwas später dann: „Die Ankunft des Herrn ist auf ungewisse Zeit verschoben“. Jetzt gehen die Meisten. Fast flüsternd-schluchzend höre ich dann noch später: „Die Ankunft des Herrn fällt aus. Grund dafür ist uns leider auch nicht bekannt“. Jetzt gehen auch die letzten Getreuen. Sie steigen um oder bleiben beim nächsten Mal gleich ganz zu Haus.

Und ich? GEV? Glaubensersatzverkehr? Umsteigen? Aussteigen? Ich bleibe noch einen Moment in der Kirche. Ganz hinten – unscheinbar im Halbdunkel - sitzt doch noch jemand. Mit Koffer und kleinem Kind auf dem Arm. Kaum verstehbar höre ich: „Da bin ich. Ich habe den Esel genommen. Auf die Bahn ist nicht so wirklich Verlass. Auf mich schon. Gesegnete Weihnachten“

 

=> Resonanzen und eigene Gedanken dazu? Gern an: Manfred.Buesing(at)t-online.de    Danke

 

Foto: de.freepic.com